Titelseiten: El Gráfico n° 3065, 1978 – gemeinfrei · El Gráfico n° 3482, 1986 – gemeinfrei · La Nación, 19/12/2022 – © La Nación / Getty Images
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Die 9 Platten Argentiniens
Neun Tore, neun Geschichten. Tipp auf eine Platte und lies, wie es war – mit den Worten der Zeitungen und Kommentatoren von damals.
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Platte 1 von 9
Maradona 51'
La mano de Dios
Die ErinnerungEine Faust höher als der Mittagshimmel. Der Ball ging rein – und mit ihm ein ganzes Land.
Mexiko-Stadt, Viertelfinale gegen England, vier Jahre nach dem Falklandkrieg. Für die Argentinier ist es kein Spiel wie jedes andere.
In der 51. Minute steigt ein missglückter Befreiungsschlag von Steve Hodge zu Torwart Peter Shilton auf. Maradona, zwanzig Zentimeter kleiner, springt mit ihm hoch und lenkt den Ball mit der linken Faust ins Tor. Der tunesische Schiedsrichter Ali Bin Nasser gibt das Tor: 1:0.
England protestiert, doch das Tor zählt. Vier Minuten später erzielt Maradona auch noch das Tor des Jahrhunderts.
Am Rande Nach dem Spiel sagte er, das Tor sei „ein bisschen mit dem Kopf Maradonas und ein bisschen mit der Hand Gottes“ gefallen. Seitdem heißt es so. — Diego Armando Maradona, conferencia de prensa, 22/06/1986


Platte 2 von 9
Burruchaga 84'
Mundial 1986
Die ErinnerungVierzig Meter allein, und dreißig Millionen Herzen liefen hinter ihm her.
Im Finale führt Argentinien durch José Luis Brown und Jorge Valdano 2:0. Die BR Deutschland gibt nicht auf: Rummenigge und Völler gleichen binnen sechs Minuten aus.
In der 84. Minute findet der eng gedeckte Maradona Platz für einen einzigen Pass. Er reicht: Jorge Burruchaga läuft, von einem deutschen Verteidiger verfolgt, aufs Tor zu und überwindet den herauslaufenden Harald Schumacher. 3:2.
Sechs Minuten später ist Argentinien zum zweiten Mal Weltmeister.
Am Rande Jahre später erzählte er von seinem 40-Meter-Lauf auf Schumacher zu: „Nunca pensé otra cosa que en que fuera gol“ – ich dachte an nichts anderes als an das Tor. — Jorge Burruchaga, Análisis Digital, 29/06/2021
«El grito de un país. ¡Campeones del mundo!»

Platte 3 von 9
Messi 28'
Getafe 2007
Die ErinnerungEinundzwanzig Jahre später derselbe Lauf – als hätte der Fußball das Band zurückgespult für alle, die zu spät geboren waren.
Messi ist 19. Er bekommt den Ball rechts, noch in der eigenen Hälfte, und läuft los.
Er lässt einen Gegenspieler nach dem anderen stehen, dringt in den Strafraum ein, umkurvt auch den Torwart und trifft aus spitzem Winkel, während ein Verteidiger zu spät angegrätscht kommt.
Im Stadion und vor dem Fernseher dachten alle dasselbe: Das war Maradonas Tor gegen England, fast gleich, 21 Jahre später.
Am Rande Nach dem Spiel erklärte er es in sechs Wörtern: „Vi hueco y tiré para adelante“ – ich sah eine Lücke und bin los. 55 Meter, 12 Sekunden, 6 Gegenspieler ausgespielt. — Lionel Messi, Mundo Deportivo, 19/04/2007
«El pie de Dios»
«Y ahora lo llaman «Messidona»»
«Encara Messi!»


Platte 4 von 9
Montiel 4-2
Weltmeister 2022
Die ErinnerungSechsunddreißig Jahre Warten auf elf Metern. Ein Schuss – und ein ganzes Land atmete wieder.
Eines der besten Endspiele aller Zeiten. Argentinien führt 2:0, Mbappé gleicht mit zwei Toren in zwei Minuten aus. In der Verlängerung trifft Messi zum 3:2, Mbappé vollendet seinen Hattrick: 3:3.
Im Elfmeterschießen hält Emiliano Martínez gegen Coman, Tchouaméni schießt vorbei. Den vierten argentinischen Elfmeter schießt Gonzalo Montiel: Trifft er, ist es vorbei.
Er wollte hart in die Mitte schießen. Er sieht Lloris zu früh abtauchen und wechselt im letzten Moment die Ecke. Tor: Argentinien ist Weltmeister.
Am Rande In der Verlängerung hatte sein Handspiel Mbappé den Elfmeter zum 3:3 beschert. Vor dem Elfmeterschießen fragte ihn Scaloni zweimal, ob er bereit sei: „le respondí que estaba seguro“ – ich sagte ihm, ich sei mir sicher. Dann verwandelte er den entscheidenden. — Gonzalo Montiel, AFA Estudio, 2023
«Gloria eterna»
«¡Somos campeones del mundo!»
«Le cambié de palo.»

Platte 5 von 9
Messi 61'
Copa América 2007
Die ErinnerungAlle warteten auf den Schuss. Er malte einen Regenbogen, und der Ball sank langsam herab wie eine Feder, die ihren Weg kennt.
Messi ist gerade 20 geworden. Argentinien führt 1:0 gegen Mexiko, doch das Spiel ist noch offen.
In der 61. Minute bekommt Messi den Ball rechts im Strafraum, im spitzen Winkel. Alle erwarten einen Schuss oder eine Flanke – er hebt den Ball sanft über den Torwart unter die Latte. 2:0.
Riquelme macht per Elfmeter alles klar: 3:0, Argentinien steht im Finale.
Am Rande Jahre später erzählte der chilenische Schiedsrichter Carlos Chandía, dass Messi kurz vor Schluss, schon verwarnt, den Ball mit der Hand spielte. Statt Gelb-Rot sagte er ihm: „Esta jugada es amarilla, pero te va a costar la remera“ – das ist Gelb, aber es kostet dich dein Trikot. In der Kabine gab Messi es ihm. — Carlos Chandía, El VBAR de Caracol, 2024
«Messico'86»
«Belleza americana»

Platte 6 von 9
Maradona 55'
El gol del siglo
Die ErinnerungSechzig Meter, England im Rücken, und ein Kommentator, der weinte, weil Worte nicht mehr reichten.
Vier Minuten nach der Hand Gottes. Héctor Enrique spielt Maradona in der eigenen Hälfte an.
Maradona dreht sich und läuft los. Vorbei an Beardsley und Reid, dann an Butcher und Fenwick, umkurvt Torwart Shilton und schiebt ein. Rund sechzig Meter in kaum mehr als zehn Sekunden.
Im Radio schrie Víctor Hugo Morales: „¡Barrilete cósmico! ¿De qué planeta viniste?“.
Am Rande Alles begann 1980 in Wembley: Maradona ließ die halbe englische Abwehr stehen, doch sein Schuss ging nicht rein. Am Telefon sagte ihm sein Bruder Hugo: „Pelu, tendrías que haber enganchado“ – du hättest auch den Torwart umspielen sollen. Sechs Jahre später tat er es. — Hugo Maradona, después de Wembley 1980 (El Gráfico)
«No llores por mí Inglaterra»
«¡Barrilete cósmico! ¿De qué planeta viniste?»
«El Negro Enrique me la da lejos del arco.»


Platte 7 von 9
Kempes 38'
Mundial 1978
Die ErinnerungDas Monumental unter einem Konfettiregen: Es schien Papier zu schneien, im Juni, nur für ihn.
Das erste WM-Finale vor eigenem Publikum. Das Monumental ist voll, der Rasen mit Konfetti bedeckt.
In der 38. Minute dringt Mario Kempes zwischen zwei niederländischen Verteidigern in den Strafraum ein und überwindet Torwart Jan Jongbloed: 1:0. Nanninga gleicht acht Minuten vor Schluss aus.
In der Verlängerung trifft wieder Kempes, dann Bertoni: 3:1. Argentiniens erster WM-Titel.
Am Rande In der Vorrunde traf er nicht und trug Schnurrbart. Menotti sagte ihm: „…¿por qué no se afeita de una vez en Rosario y se acuerda de hacer goles?“ – warum rasieren Sie sich nicht und denken wieder ans Toreschießen? Kempes rasierte sich und schoss danach 6 Tore, zwei im Finale. — César Luis Menotti, según Mario Kempes (EFE, 2018)
«Kempes, el jugador del Mundial»


Platte 8 von 9
Di María 36'
Mundial 2022
Die ErinnerungEr rannte und weinte zugleich. Manche Freude ist zu groß für einen allein.
Argentinien führt schon durch Messis Elfmeter 1:0. In der 36. Minute ein blitzschneller Konter: Messi, Julián Álvarez, Mac Allister.
Mac Allister bedient den von links heranstürmenden Ángel Di María, der direkt ins lange Eck abschließt. 2:0.
Di María bricht mitten auf dem Platz in Tränen aus. Er hatte schon im olympischen Finale 2008, im Copa-América-Finale 2021 im Maracanã und in der Finalissima 2022 in Wembley getroffen.
Am Rande Vor dem Finale hatte er seiner Frau geschrieben: „Voy a hacer un gol porque está escrito, como en el Maracaná y Wembley“ – Ich mache ein Tor, weil es geschrieben steht, wie im Maracanã und in Wembley. — Ángel Di María, El Economista, 20/12/2022
«In the Hand of God»
Platte 9 von 9
Messi 84'
Brasilien 2012
Die ErinnerungGegen Brasilien, den ewigen Rivalen: ein Schlenzer in den Winkel, wie eine Unterschrift unter einem Liebesbrief.
Ein Freundschaftsspiel wie ein Finale: sieben Tore und ständig wechselnde Führung zwischen Argentinien und Brasilien.
Beim 3:3, wenige Minuten vor Schluss, bekommt Messi den Ball rechts nahe der Mittellinie. Er zieht diagonal aufs Tor und schlenzt den Ball von der Strafraumgrenze in den Winkel. 4:3.
Sein Hattrick gegen Brasilien: drei Tore in einem Spiel gegen den ewigen Rivalen.
Am Rande Auf der Pressekonferenz fasste Trainer Alejandro Sabella es über Messi so zusammen: „Gracias a Dios es argentino“ – Gott sei Dank ist er Argentinier. — Alejandro Sabella, conferencia de prensa (Diario de Cuyo, 10/06/2012)
«Con Messi todo se puede»
Alle 9 Platten im leuchtenden Rahmen
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